Vibrato üben mit Tremulant

 

  

Wer noch nicht über Erfahrungen mit Vibrato verfügt, sollte zunächst ohne Tremulant einen einzelnen ausgehaltenen Ton erzeugen und dabei möglichst alle überflüssige Körperspannung vermeiden. Dann folgt eine Phase des Übens mit Tremulant, wobei die Geschwindigkeit der Wellen (S) nicht zu schnell (auf ca. 5,0 HZ) eingestellt werden sollte. Nach der ersten Eingewöhnung sollen die Wellen aufgenommen werden, um das Vibrato aktiv zu unterstützen und sich schließlich dabei wohl zu fühlen. Es kann hilfreich sein, die Augen zu schließen. Unmittelbar daran anschließend soll die gleiche Übung ohne Tremulant einige Male wiederholt werden, um den Effekt zu verinnerlichen.

 

Für Fortgeschrittene ist es sinnvoll eine überschaubare Phrase im langsamen Tempo (vorzugsweise mit Metronom) zu wählen, die zunächst ohne Tremulant mit dem eigenen Vibrato einige Male wiederholt wird. Dann wird die gleiche Phrase möglichst auswendig mit Tremulant geübt, wobei das Metronom eine Hilfe ist, das Grundtempo zu halten. Anschließend folgt die Kontrolle der gleichen Phrase ohne Tremulant.

 

Auch ruhige Passagen aus der Musikliteratur können natürlich durchgängig mit Tremulant geübt werden, wobei die Geschwindigkeit (S) anzupassen ist. Oftmals ist dabei nur eine kleine Korrektur um wenige Zehntel Hz notwendig um den eigenen Geschmack zu treffen.  Sowohl die Gleichmäßigkeit der Wellenform, wie auch die Regelmäßigkeit in Bezug auf das Tempo des Vibratos stehen dabei im Fokus.

 

Um den Effekt des Trainings auch während der Phase mit Kopfhörern selbst beurteilen zu können, ist es sinnvoll, eine Video- oder Tonaufnahme zu erstellen. So kann der Zustand vor, während und nach dem Training dokumentiert werden. Ansonsten muss man sich auf die Beobachtungen eines Zuhörers stützen.

 

Im Unterricht kann zur Kontrolle über den zweiten Kopfhörer-Ausgang am Tremulant der Höreindruck für den Spieler überprüft werden.

 

 

Blasinstrumente

 

Die Übungsmethode mit dem Tremulant kann insbesondere bei den Holzblasinstrumenten Saxophon, Flöte, Oboe und Fagott, bei denen Vibrato auch im Orchesterspiel selbstverständlich ist, angewendet werden. Natürlich besteht auch für jedes andere Blasinstrument die Möglichkeit mit dem Tremulant die Vibrato-Technik zu erlernen.  

 

Über die praktische Ausführung des Vibratos existieren vielfältige Ansichten. Bei fast allen Methoden sind jedoch wesentliche Teile der Muskelaktivität für den Betrachter im Körperinnern verborgen. Ob Ansatz, Vokalisationsraum, Kehlkopf, Atemmuskulatur oder eine Kombination zum Einsatz kommen, ist nur Mittel zum Zweck der Tongestaltung.

Ein unvoreingenommener Standpunkt gegenüber einer Vibrato-Erzeugung mit möglichst geringem Aufwand ist hilfreich für die Entstehung einer individuellen Technik. Oftmals wird beim Erlernen des Vibratos, das durch den Höreindruck vom Tremulant angeregt wird, intuitiv der richtige Weg gefunden.

Wenn das Vibrato auf Einzeltönen beherrscht wird, können die folgenden Beispiele helfen, in die Gestaltung kurzer Melodien überzuleiten. Später kann der Tonumfang bis in die extremen Lagen erweitert werden.

 

 

 

   

Streichinstrumente

 

Die grundlegenden Bewegungsabläufe der Vibrato-Erzeugung sollten im Unterricht bereits angelegt sein, bevor ein Training mit dem Tremulant vorgenommen wird. Um Überlastungen der Muskulatur bei ungeübten Spielern vorzubeugen, sind regelmäßige kurze Pausen als Entspannungsphasen angeraten. Anfängliche Tremulant-Übungen mit Einzeltönen für jeden Finger sind der beste Einstieg für den Weg zu einer lockeren Bewegung.

Für fortgeschrittene Spieler eignet sich eine kurze ruhige Melodie, die ohne leere Saiten und Lagenwechsel jeden Finger berücksichtig und auswendig beherrscht wird. Vor jeder Wiederholung der Melodie sollte eine kurze Konzentrationspause eingehalten werden. Ein Metronom kann helfen, die rhythmische Struktur nicht zu verändern. Die Vibratofrequenz (vorzugsweise 5,6 Hz) ist vom Spieltempo unabhängig.

  

 

Wird das Vibrato gut beherrscht, können ganze Phrasen aus der Literatur mit Tremulant geübt werden. Die Geschwindigkeit (S) der Vibratowellen kann variiert werden und richtet sich nach dem individuellen Geschmack. Der Tremulant hilft dabei, nach Lagenwechseln oder technisch anspruchsvollen Passagen, das Vibrato in der vorgewählten Frequenz wieder aufzunehmen und große Bögen über längere Phrasen hinweg zu erzeugen.

Für das Ausdrucksvibrato einzelner Töne, das oftmals in höherer Frequenz und nur für einige Schwingungen bei schnellen Musikstücken zur Anwendung kommt, wird der Tremulant nicht eingesetzt.

        

    

 

Gesang

 

Für das Gesangs-Vibrato können sowohl die Atemmuskulatur wie auch Veränderungen des Resonanzraumes einschließlich der Glottis eingesetzt werden. Entscheidend ist dabei, dass das Vibrato einen natürlichen Charakter erhält und den Ton gestaltet, aber nicht beeinträchtigt. Im Idealfall findet das Vibrato-Training unter Aufsicht eines erfahrenen Stimmbildners statt. Der Tremulant vermittelt zunächst ein Gefühl dafür, wie der eigene Ton mit Vibratofärbung klingt. Behutsam wird dann die Wellenbewegung aufgenommen und zunehmend eigenständig  ausgeführt. Da nur geringfüge Muskelbewegungen erforderlich sind, lohnt es, ohne Erfolgsdruck und in einer entspannten Grundhaltung die Tonübungen mit Tremulant auszuführen.  Wenn für den Beobachter zunächst nur einzelne Vibratowellen hörbar werden, ist das ein erster Schritt zur Aktivierung der Muskulatur. Für den Übenden klingt das Vibrato durch den Tremulant permanent und schützt ihn dadurch vor zu großer Aktivität und Verkrampfungen. Die ideale vorgewählte Frequenz für die ersten Tonübungen kann individuell unterschiedlich sein, ist aber nicht von der Stimmlage abhängig. 

Wenn bereits ein Vibrato vorhanden ist, besteht oftmals das Problem einer zu schnellen Frequenz. Der Ton wird dann nicht mehr durchgängig, sondern unterbrochen empfunden. Hier kann der Tremulant eine gute Hilfe sein, das Vibrato wieder in ein angenehmes Tempo zu überführen. Auch zur Flexibilisierung des Vibratos können Übungen mit unterschiedlichen Frequenzen ausgeführt werden, wobei sich der Rahmen in einem relativ kleinen Bereich einiger Zehntel Hz bewegt.